Ich bin die Schöne und das Biest
Tanz – Musik – Theater
„Ich würde gern was erleben, doch ich bin von der Unfähigkeit aufzuwachen gelähmt. Die Frage ist: Sind Sie überhaupt der, auf den ich warten soll, bis er mich küsst? Ich stelle diese Frage lieber nicht, weil ja auch ich nicht weiß, wer ich sein werde, wenn ich aufgewacht bin.“
(Aus: Elfriede Jelink, Der Tod und das Mädchen II [Dornröschen] / Prinzessinnendramen)
„Ich bin die Schöne und das Biest“ – die szenische Collage aus Schauspiel und Tanz, die neun 11- bis 18-jährige Mädchen selbst entwickelt haben, ist ein lustvoll-freches Spiel mit Rollen und Erwartungen. Unter der Regie von Barbara Kemmler bringt die Gruppe von Mädchen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, die alle an einem vom Frauenbüro unterstützen Theatertraining teilnahmen, ihre ganz persönlichen Gefühle des Heranwachsens auf die Bühne und setzt sich mit den starken und machtvollen Mädchen- und Frauenrollen in Literatur und Alltag auseinander, mit dem Ausbrechen aus und dem Umgehen mit dem Erwartungsdruck der Gesellschaft. Rolle und Rollenspiel werden reflektiert, mal humorvoll, mal ernst, mal mit tänzerischer Leichtigkeit.
Ich bin die Schöne und das Biest
Die Texte reichen von Schiller und Goethe über Büchner bis hin zu Elfriede Jelinek – oder sind selbst geschrieben. Das „Gehen“, ein zentrales Motiv etwa im Märchen, wird im Stepptanz zu einer Kunstform aus Klang und Bewegung. Das unterschiedliche „Auftreten“ – aggressiv, damenhaft, kindlich oder mütterlich – macht die Musik, aber Live-Musik gibt es dazu natürlich auch. Und besonders wichtig sind die Schuhe – zertanzte, blutige, rote Schuhe, Schuhe, die von alleine tanzen, und Schuhe, die man sich nicht leisten kann. Kann es auch heute noch Glück bringen, einen Schuh zu verlieren?
Künstlerische Leitung / Regie: Barbara Kemmler
Dramaturgie: Mechtild Janssen
Choreografie: Thomas Kolczewski
Bühnenbild: Henri Alain Unsenos
Musik: Jose Bode
Technik: Volker Sippel
Organisation: Peter Grasemann
Regieassistenz: Margarete Weiß
ECHO
Die Premiere von „Ich bin die Schöne und das Biest“ ist im Theater im Pumpenhaus mit Ovationen gefeiert worden:
„Holde Maiden oder wilde Weiber? Die Schauspielerinnen vom Theater Cactus lassen sich in keine Schublade stecken… In fließenden Szenenwechseln spielen die jungen Darstellerinnen die Gegensätze unseres Frauenbildes aus, dessen Selbstfindungsfantasien mit Ironie und Verve aufgegriffen werden. Die zart-zärtliche Musik von Jose Bode umgarnt Eifersüchteleien und Balletteinlagen. (…) Regisseurin Barbara Kemmler hat ein abwechslungsreiches Bühnenstück inszeniert, dessen Spontaneität und Witz absolut überzeugen. Grandios und hinreißend – großer Applaus in Münsters Pumpenhaus!“
(MZ, 21.8.2006)
„Das Junge Theater Cactus brilliert… Mit Witz und Kreativität setzten die neun 11- bis 18-jährigen Mädchen unter der Regie von Barbara Kemmler Texte von Schiller, Goethe, Büchner und Elfriede Jelinek in Szene. Dabei geht es auch immer um Eitelkeit, Schönheitsideale, um Haare an falschen Stellen, um das Wackeln auf High-Heels und die alles entscheidende Frage, was man eigentlich will. (…) Begleitet werden die Szenen von Stepptanz-Einlagen, die auch Geschichten erzählen: darüber, dass sich Frauen von einer Sekunde zur nächsten von der anmutigen Ballerina in ein mit Krallen drohendes Raubtier verwandeln können. Oder dass es schwierig ist, im eigenen Takt zu tanzen, wenn die anderen einen Schritt oder ein Ideal aufzwingen wollen.“
(WN, 21.8.2006)