Gegen schwarz-weißes Schubladendenken: “s/w remix”

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Schwarz/Weiß – klar: alltägliche Farben, die laut Wissenschaft eigentlich gar keine sind. Schwarz/Weiß: ein dunkles Gefühl? Unglück? Magisch und machtvoll? Unschuldig und rein? Leere? Weiße, Weißglut, Weißwurstäquator, Weißbier? Schwarzafrika, Schwarzarbeit, Schwarze Magie, Schwarzes Schaf? Schwarz/Weiß: umrissartige Bilder, sortiert, kontrastiert nach Schema F: auch Menschen. Aber was ist dazwischen, darin, dahinter? Bin ich black, wenn meine Mutter eine Schwarze aus Surinam ist, meine Haut hell und die Haare rötlich sind? Habe ich deshalb den Rhythmus im Blut? Wer bitte hat den Soul? Und was passiert, wenn ein Beatboxer und ein Jazz-Saxophonist auf eine klassische Flötistin treffen?
Acht junge Menschen mit doppelt so vielen Herkunftskulturen aus vier Kontinenten im Gepäck hatten keine Lust mehr auf schwarz-weißes Schubladendenken und entschlossen sich zu remixen: neu zu mischen, frech Querverbindungen zu schaffen, frei zu kombinieren und zu provozieren, ganz grenzenlos. Herausgekommen ist „s/w remix“ (Regie: Barbara Kemmler, Dramaturgie: Kabasia Chuwa), dessen Zutaten so vielfältig sind wie die Besetzung: eine Internet-Blinddate-Lovestory, philosophische Gespräche über Musik, Zugehörigkeit, Fremdsein und rappende Gartenzwerge, mit Klängen von Jazz bis Rap, mit Tanz von HipHop bis Postmodern.

Ein halbes Jahrhundert nachdem man es in Deutschland für das Beste befand, Afrodeutsche nach Afrika, die Heimat ihrer Väter zu schicken (des Klimas wegen!), legt „s/w remix“ das Ohr nah an den Puls der Gegenwart; spürt nach, was Schwarzsein und Deutschsein heute sein können; spielt selbstbewusst mit Perspektiven, Blickverhältnissen; und stößt dabei auch auf schmerzhafte Geschichtssplitter wie die krasse Erfahrung, dass Deutsch UND Schwarz in manchen Köpfen immer noch nicht zusammengedacht werden können…
Ein flirrend-leichtes und ernsthaftes Stück, das ganz nebenbei auch die Klischees zum Tanzen bringt.

Es spielen: Jose Bode, Joao Driessen, Stella Haastrup, Emmanuel Edoror, Julio Eyimi Mangue, Ari Nadkarni, Afra Touray, Franklyn P. Ufford

Regie: Barbara Kemmler
Dramaturgie: Kabasia Chuwa
Bühne & Kostüme: Tina Toeberg
Licht: Volker Sippel

In Koproduktion mit: Theater im Pumpenhaus, Jugendtheater-Werkstatt e.V., Jib
Gefördert von: Kulturamt der Stadt Münster, Dezernat für Integrationsangelegenheiten der Stadt Münster, Bäckerei Cibaria

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