MZ: 05.02.2014 Cactus macht Comedy

Das Junge Theater zeigt: „Wer zuletzt lacht, macht das Licht aus“

Von Sabine Müller
Münster – Wer ist 16 Jahre alt, stellt sich auf die Bühne und zieht eine Stand-up-Comedy-Show durch? Die Jugendlichen vom Theater Cactus. Das neue Theaterstück „Wer zuletzt lacht, macht das Licht aus“ ist nämlich nur zur Hälfte ein Theaterstück. Der zweite Teil des anderthalbstündigen Abends besteht aus reiner Stand-up-Comedy. Am 12. Februar (Mittwoch) gibt’s die Premiere im Pumpenhaus.

Der junge schwarze Schauspieler Emmanuel Edoror hat schon in den Cactus-Stücken „s/w remix“ und „2+x Welten“ mitgespielt: Geschichten über unterschiedliche Kulturen und das Leben in und zwischen ihnen. „Er hat aber immer wieder davon gesprochen, endlich mal Comedy machen zu wollen“, erzählt Regisseurin Barbara Kemmler. Zu den gleichen Themen: Vorurteile und Klischees. Aber mit Humor. „Lachen über das, was weh tut.“

Die Jugendlichen haben sich dazu Profis an die Seite geholt: den umtriebigen münsterschen Schauspieler und Kabarettisten Christoph Tiemann, den Autor und Poetry-Slammer Marian Heuser, den jungen Stand-up-Comedian Lennart Knebel und Dramaturgin Petra Kindler. Sie arbeiteten mit den Jugendlichen, griffen ihre Themen auf und fungierten schließlich als Autoren.

Wie ist man lustig?

Auf der Bühne läuft der Abend in zwei Teilen ab. Im ersten ist alles noch Theater: Acht Jugendliche wollen einen eigenen Comedy-Club gründen, eine Show auf die Beine stellen. Doch wie funktioniert es, lustig zu sein? Ideen entstehen und werden verworfen. Zudem gibt es einen Störer, der sich mit Anti-Witzen zu den unpassendsten Zeitpunkten einschaltet. Gespielt wird er vom „alten Hasen“ Carsten Bender. „Ich bin in dem Stück eine märchenhafte Figur, eine Art Erscheinung, ein abgehalftertes Zirkuspferd, das einen eigenen Auftritt will“, erzählt er.

Doch der Störenfried schafft es nicht, die Show zu verhindern. Die sieht man dann im zweiten Teil des Abends, der sich nahtlos und ohne Pause anschließt. Ein kleiner Vorgeschmack: Einer der jungen Comedians beschwert sich über die Unpünktlichkeit der Busse. Die sollten in Deutschland gefälligst immer pünktlich sein: Sonst hätte er ja direkt auf dem Balkan bleiben können …

„Wir haben hier echte Comedy-Talente entdeckt“, sagt Kemmler. „Da ist eine Menge Selbstbewusstsein vorhanden.“ Die meisten der acht Jugendlichen sind erst 16 oder 17 Jahre alt, der Älteste ist 21. Fast alle haben einen Migrationshintergrund: Das ist sogar ein eigenes Genre. Comedians wie Bülent Ceylan, Kaya Yanar und Abdelkarim beherrschen es perfekt, bedienen sich dabei ihrer eigenen Geschichte. Und auch die Jugendlichen von Cactus schöpfen aus ihren Erfahrungen. „Die Jugendlichen reagieren auf Anfeindungen im Alltag auch mit Humor“, sagt Kemmler. „Indem sie Witze machen, nehmen sie eine überlegene Haltung ein und sind keine Opfer.“

Sogar eine Comedy-Nummer über Hitler wird es an dem Abend geben. „Und die ist auch sehr gelungen“, findet die Regisseurin.
Wer zuletzt lacht, macht das Licht aus.Bühne frei für die neuen Talente der Stand-up-Comedy: Das Junge Thetaer Cactus zeigt „Wer zuletzt lacht, macht das Licht aus“, unterstützt von Carsten Bender.
Foto: Emmerich