WN – Stadtteil-Kinderhaus: 06.06.2017 Junges Theater Cactus führt neues Stück auf

Ehrenmord am geliebten Haustier „Esperanza“
Münster – Kinderhaus

Eine schauspielerische Mixtur mit vielen Zutaten – schnell und voller Ausdruckskraft und Bewegungsfreude. So lässt sich das neue Stück des Jungen Theaters Cactus beschreiben.

Wenn Kuscheltiere sterben, dann ist Schluss mit lustig.

Auch bei „Esperanza“ ist das so. Das ist der Name eines Hasen im gleichnamigen Stück vom Jungen Theater Cactus , und der hat ein arg kurzes Leben. Grund ist eine von der Familie ungewollte Liebschaft der Protagonistin Sarah mit dem coolen „Alex“. Eine Frage der Ehre für die Beteiligten. Und die geht tödlich aus.

„Die Ehre hat schon viel Leid gebracht“, erklärte Barbara Kemmler, die mit dem Stück eine Collage an Ideen, Zitaten aus Literaturklassikern, selbst erarbeiteten Sequenzen und der Rahmenhandlung auf die Bühne des Kap.8 gebracht hat.

Die schien ganz ideal für das schnelle und zugleich aussagekräftige Stück zu sein. Es gab eine Hauptbühne in der Mitte, das Publikum drumherum und etliche Nebenbühnen. Auch die verschiedenen Ebenen des Bürgerhauses wurden für die Spielhandlung genutzt.

Das Konzept einer modernen Theateraufführung konnte völlig ohne Abstriche in die Realität umgesetzt werden. „Erst fanden wir das schwierig“, so Kemmler: „Dann haben wir aus der Not eine Tugend gemacht.“ Insgesamt ein Jahr Proben lagen hinter dem elfköpfigen Spielensemble, eine Woche lang nahmen die Vorbereitungen im Bürgerhaus in Anspruch. Alles lief minutiös perfekt ab. Der Jubel war fast „Ehrensache“.

Ja, die „Ehre“ ist keine einfache Angelegenheit. Da spielten die jungen Darsteller etwa „Emilia Galotti“ von Lessing nach: Der Vater will dort die Ehre seiner Tochter bewahren und bringt sie dafür mittels Dolch um. Ein Ehrenmord als bürgerliches Schauspiel? Überraschende Analogien taten sich auf.

Und immer wieder ging es zurück zu Alex und Sarah. Der arme junge Mann wurde von ihrem Cousin gezwungen, sie aus der Facebook-Freundschaftsliste zu streichen: die moderne Variante des Liebesentzugs. Doch heimlich traf sich das Liebespaar natürlich weiter, und schließlich flohen die beiden bis nach Berlin. Nach dem Ableben des kuschligen Haustiers ging die Flucht ins Ungewisse weiter.

Die Kinderhauser erlebten eine schauspielerische Mixtur mit vielen Zutaten. Das schnelle Stück strotzte vor Ausdruckskraft und Bewegungsfreude. Eine weitere Aufführung gibt es heute Abend um 20 Uhr im Kap.8.
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 Das Kuscheltier „Esperanza“ hat kein langes Leben vor sich im neuesten Stück des Jungen Theater Cactus.
Foto: Ralf Emmerich