WN: 14.01.2014 Cactus hilft in Kunya

Münsteraner bieten in Kenia Theatertraining an

Von Petra Noppeney
Münster – Für das Kofferpacken bleibt noch Zeit. Gedanklich aber ist Barbara Kemmler, Künstlerische Leiterin des Jungen Theaters Cactus, schon bei jenem Projekt, das sie Anfang März auf den afrikanischen Kontinent, genauer: nach Kenia führen wird. Mit Kindern und Jugendlichen soll sie in einem kleinen Fischerdorf nahe den Victoria-Fällen ein Theatertraining absolvieren. Unterstützt wird sie dabei von William Ngala, Kennern aus Cactus-Produktionen wie „2+x Welten“ bekannt. Für den 21-Jährigen, der mit zwölf nach Deutschland kam, wird es zugleich die Rückkehr in sein Heimatland Kenia sein.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Andrea Zielke-Nadkarni, die erste Vorsitzende des Vereins Jugendtheater-Werkstatt, der auch Cactus unterstützt, ist zugleich Vorsitzende des Vereins Aktivkreis Kenia in Münster. Dieser unterstützt die Kindertagesstätte eines Mama na Dada (Mütter und Schwestern) genannten Hilfsprojektes im kenianischen Dorf Kunya. Bei ihrem letzten Besuch dort wurde Zielke-Nadkarni von der Leiterin Joyce L. Oneko gefragt, ob sie einen Kontakt zu einer Regisseurin oder Theaterpädagogin aus Münster vermitteln könne. Und wer bot sich da besser an als Kemmler, die Chefin des

interkulturellen Cactus-Ensembles?Kemmler hat bereits mehrere Theaterprojekte in afrikanischen Ländern realisiert. „Bislang aber waren es stets Großstädte, die ich besucht habe.“ Nun wird es ein kleines Dorf sein – „ein nicht so romantisches“, wie Joyce L. Oneko beim Besuch in Münster erzählt.

Armut, Aids und die Geschlechterproblematik sind die Dinge, die den Alltag der Menschen dort prägen. Aufklärung und Prävention hat sich der Verein „Mama na Dada“ laut Oneko auf die Fahne geschrieben. „Es geht darum, schon Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie Gleichberechtigung funktioniert“, sagt sie an diesem Morgen in Kemmlers Büro am Hoppengarten. Bislang geschieht dies über Rollenspiele und Puppentheater. Und da kommen nun Barbara Kemmler und William Ngala ins Spiel.

Letzterer hat 2013 sein Abi am Paulinum abgelegt und absolviert zurzeit ein Praktikum bei Cactus. Ngala möchte studieren, will aber vorher noch aktiv im „Konkreten Friedensdienst“ in einer sozialen Einrichtung in Kenia mitarbeiten. Auch für ihn ist das Theaterprojekt ein willkommenes. „Wir bringen die Methoden mit, die Inhalte werden uns die Kinder und Jugendlichen vor Ort liefern“, sagt Kemmler, die mit Ngala am 2. März nach

Afrika aufbricht. „Es ist ja auch der theaterpädagogische Ansatz von Cactus, dass wir Themen aufgreifen, die Kindern und Jugendlichen am Herzen liegen.“

Ein Zuschuss zum Projekt ist beim Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit beantragt. Andere Organisationen, etwa der Verein Comenga in Münster, haben ideelle oder finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt. Was Kemmler persönlich am meisten an dem auf Nachhaltigkeit angelegten Projekt reizt? „Dass dieser Workshop keine Idee aus Deutschland ist, sondern auf einem Projekt fußt, das in Kenia begründet wurde.“

keniaBesprachen im Münster weitere Details zum Afrika-Projekt: Joyce L. Oneko (l.), Andrea Zielke-Nadkarni (r.), Barbara Kemmler und William Ngala.
Foto: privat