WN: 24.05.2014 Inszenierte Tagträume

Schüler von fünf Schulen begeistern mit gemeinsamen Theaterprojekt

Von Andrea Hasenkamp
Münster – „Zwischen Sein und Schein“ hieß der rote Faden der Szenen, die 42 Schüler der Geistschule, des Gymnasiums Paulinum, der Waldschule Kinderhaus, des Anne-Frank-Berufskollegs und der Hauptschule am Bagno (Steinfurt) auf die Bühne brachten. Die Premiere des schulübergreifenden Theater-Sonderprojektes im Rahmen des NRW-Landesprogramms Kultur und Schule war am Donnerstag in der Aula des Paulinum ein großer Erfolg.
Den Ausdruck überließen die Laien-Schauspieler im Alter von zwölf bis etwa 20 Jahren nicht ihren Kostümen – es wurde viel an Mimik, Gestik, Bewegung und Sprache gearbeitet. Gut, dass sich die Jogginghosen-Talkshow fast ganz auf diese Mittel stützen konnte.

„Wir haben aus 1000 Ideen der Schüler ausgewählt.“ Mitarbeiterin des Pädagogenteams

Dramaturgische Tricks nutzten die Schüler ebenfalls. Wenn einzelne aus der höfischen Gesellschaft sprachen, wirkten die anderen wie abwesend, eingefroren.
Höfische Musik kam neben etwas Rap zum Einsatz, dazu Marimba-Klänge live. Gerade für sie gab es kräftigen Applaus.
Einen Spannungsbogen zu halten, über die Unterbrechungen durch die vielen anderen Stücke in anderthalb Stunden hinweg, das gelang auch der Gruppe mit den prächtigen Müll-Kostümen. Was wird aus dem Mobbing-Opfer? Irgendwann spricht das zuvor stille Opfer, da hat schon einer aus der Mobber-Schar sein Verhalten in Frage gestellt. Ein glückliches Ende gibt es dennoch nicht.
Tag-Träumereien inszenierte die Gruppe mit dem Lehrer. Der Strenge war eigentlich ein Teddy-Liebhaber, die Fantasie der Schüler brach sich mitten in den Hausaufgaben laufend eine Bahn – hier ein Schlager-Star, dort „Dominik“, der mit Hilfe des Publikums den Löwen brüllen ließ. Eine weitere Gruppe zeigte im Foto-Training zudem, wie gern gelästert und beleidigt wird.
In der Pause sorgten die Schüler des Anne-Frank-Berufskollegs für Verpflegung.
Ein Jahr dauerte es, die Szenen vorzubereiten. Am letzten Wochenende fügte das Team von Cactus Junges Theater sie zu einem Ganzen zusammen. Sie haben aus „1000 Ideen der Schüler“ ausgewählt, erzählte eine Mitarbeiterin aus dem Team der Künstler, Theaterpädagogen und Lehrer. „Ein kleines Wunder, dass das klappt.“
Am Ende der Vorstellung applaudierte nicht nur das Publikum, sonder jeder jedem auf der Bühne.