MZ: 20.11.2013 Der Despot hört Elvis (Richard)

Das Jugendtheater Cactus schüttelt Shakespeare ordentlich durch und zeigt „Richard“

Von Sabine Müller
Münster. Er ist nicht der Schönste. Aber er hat Charisma. Ihm zu widerstehen fällt schwer, denn er ist der geborene Verführer und manipuliert eiskalt, um an die Macht zu gelangen. Das Jugendtheater Cactus hat sich Shakespeares Super-Schurken vorgeknöpft und das Drama ordentlich durchgeschüttelt. Zu sehen ist die neue Fassung ab dem 27. November im Pumpenhaus.

Aus „Richard III.“ ist schlicht „Richard“ geworden. Statt eines machthungrigen Adels wollen hier gnadenlose Jungpolitiker Karriere machen. Doch ihr Weg ist nicht weniger blutig. „Wir zeigen das Grauen und die Morde, aber es wird kein Blut fließen“, erklärt Sarah Giese, Sprecherzieherin bei Cactus. Sie hat das Königsdrama umgeschrieben, in die zeitgenössischen Politikerstuben gehoben und ihm eine junge , moderne Sprache verpasst – ohne in Jugendslang zu verfallen. Ihr war es wichtig zu zeigen, wie aktuell der alte Shakespeare – Stoff ist. „Ich hatte dabei die politischen Revolutionen vor Augen, die es in letzter Zeit gegeben hat, etwa beim arabischen Frühling“, sagt sie. „Es ist erschreckend, wie schnell eine aufkeimende Demokratie wieder umschlage kann.“

Giese hat das im Original gut fünfstündige Drama auf zwei Stunden plus Pause gestutzt. Für die zwölf Jugendliche die auf der Bühne stehen ist das immer noch ein großer Brocken. Es ist das längste und intensivste Stück der Cactus-Geschichte. Shaun Fitzpatrick stellt sich der Herausforderung, Richard zu spielen. „Es ist das erste Mal, das ich so lange einen durchgängigen Charakter spiele“, sagt er. „Es ist schwer, die emotionale Dichte die ganze Zeit durchzuhalten.“ Dass dies geingt, liegt auch in den Händen der Regie von Alban Renz und Andy Strietzel. „Es ist ein sehr abwechslungsreiches Stück geworden, mit sehr intimen, aber auch großen Szenen, auch mit Witz und Szenen, in denen fast so etwas wie Soap-Charakter aufkommt“, erzählt Renz.

Die Inszenierung zeigt unter anderem das Phänomen des Mitläufertums: Wieso folgen Menschen einem Despoten, obwohl sie es eigentlich besser wissen? Vielleicht liegt es ja nicht nur am Charisma dass Richard so attraktiv wirkt. Der Richard von Cactus hat auch einen sehr charmanten Musikgeschmack: Er liebt Elvis. The King.

RichardSie haben die Macht: Das 12-köpfige Ensemble vom Theater Cactus bringt „Richard“ nach Shakespeares Königsdrama ins Pumpenhaus. Shaun Fitzpatrick (Mitte stehend mit Halskrause) spielt den Dispoten Richard.
Foto: Hinkelmann