MZ: 16.09.2013 Schatten & Ich Cactus-Theater zeigt Stück über Identität

Von Sabine Müller
MÜNSTER – Wer bin ich? Das ist die klassische Frage der Philosophie, über die sich die größten Denker den Kopf zerbrochen haben. Beim Jungen Theater Cactus erklären zehn Mädchen zwischen 15 und 27 Jahren, was es mit dem Ich auf sich hat. Der Titel lässt Düsteres ahnen: „Schatten & Ich“ heißt das Stück, das am 19. September im Theater im Pumpenhaus Premiere hat.

Die Mädchen, fast alle Neulinge auf der Theaterbühne, haben vor einem Jahr mit der Arbeit begonnen. Sie stellten ganz grundsätzliche Fragen: Wo komme ich her? Wer hat meine Vergangenheit bestimmt? Wer bin ich heute, und wen interessiert das überhaupt? „Bei der Beschäftigung mit dem Thema Identität sind wir auf dunkle Dinge gestoßen“, erzählt Regisseurin und Theaterpädagogin Judith Suermann. Gerade in der Pubertät, mit der Hormon-Umstellung, verändern sich Charaktereigenschaften, alles ist neu, man entdeckt an sich selbst ganz fremde Seiten. Doch wie viel davon lässt man andere sehen, was behält man lieber für sich? „Das waren sehr philosophische Gespräche, sehr reflektierte Momente“, erinnert sich Suermann.

Im Dunkeln behalten

Aus diesen ernsten Gesprächen entwickelte sich die Idee für ein sehr reduziertes Bühnenkonzept: Es gibt nur Licht und Schatten, von den Mädchen während des Spiels auf der Bühne selbst erzeugt – vor allem mit Taschenlampen, aber auch mit Overhead-Projektoren. Mit diesem Licht- und Schattenspiel könnten die Mädchen die Frage, was sie vom Ich zeigen und was sie lieber im Dunkeln behalten wollen, sehr konkret umsetzen, erklärt Suermann.

Die Musik zu den Lichtstimmungen ist von Schlagzeuger Dominik Hahn komponiert. Zur Vertonung holte er sich noch Timo Dresenkamp (Klavier) und Julian Walleck (Bass) dazu. Die Vorgaben der Mädchen für die Musiker seien manchmal sehr kryptisch gewesen, zum Beispiel, wenn sie eine „suchende Musik“ wollten. Getanzt wird dazu dann auch – choreografiert von Suermann.

Sie zeigen viel von sich

Das Stück ist, wie bei Cactus-Produktionen üblich, eine Collage aus Texten, die die Akteure selbst geschrieben haben, sehr persönlich, aber doch anonym. „Die Mädchen spielen nicht sich selbst“, betont Suermann. „Auch wenn sie mit ihren eigenen Namen in das Stück gehen und viel von sich sagen und zeigen.“ Dass die jungen Frauen zwischen Identität und Rolle gut trennen und sich auf der Bühne professionell geben können, liegt auch an Künstler Stephan Us. In einem Performance-Workshop ging es unter anderem darum, die Scheu davor zu nehmen, auch mal eigentümliche Dinge auf der Bühne zu machen.

Vielleicht ist man nach dem Stück ja näher bei sich selbst – oder gar ein ganz anderer? „Es wäre schon toll, wenn man anfängt, über sich selbst nachzudenken“, sagt Suermann.

Die Premiere von „Schatten & ich“ ist am Donnerstag (19. September) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstr. 123.
Weitere Aufführungen: Freitag (20. September) um 20 Uhr, Samstag (21.September) mit Gebärdendolmetscher um 20 Uhr, Sonntag (22. September) um 16 Uhr.
Am Freitag gibt es zusätzlich um 11 Uhr eine Schulvorstellung.
Karten zu 12, ermäßigt 7 Euro gibt es im Pumpenhaus, Telefon (0251) 23 34 43.

MZ schattenDas neue Cactus-Stück „Schatten & Ich“ hat am 19. September im Theater im Pumpenhaus Premiere.
Foto: Erich Saar