WN: 22.04.2015 Ein Wort kann eine Geste sein

Theater Cactus zeigt im Bennohaus „Darum Ich Kampf“ für Hörende und Nicht-Hörende

Von Gerhard H. Kock
MÜNSTER – Diese Sprache findet scheinbar im Stillen statt und ist doch überaus beredt, klar, deutlich und vor allem körperbetont. Im Grunde ideal fürs Theater. Das junge Theater Cactus hat sich schon lange der Gebärdensprache gewidmet. In der Konsequenz ein Alleinstellungsmerkmal. Jetzt hat Regisseurin Judith Suermann für Gehörlose und Hörende eine vielsprachige Performance entwickelt, in der es um existenzielle Auseinandersetzungen geht: „Darum Ich Kampf“.
Der Titel ist eine wörtliche Übersetzung der gesten, mit der Gebärdensprachler „Darum kämpfe ich“ sagen. Meine Ausgangsfrage war: Worum kämpfe ich?“, schildert Suermann den Beginn der inhaltlichen Herangehensweise.Denn die Gebärde ist nicht selbst Thema des Stückes, sondern steht wie selbstverständlich neben der akustischen Sprache.
Ein weiteres Merkmal der Inszenierung wird die Wiederholung sein. Szenen werden wiederholt: zum Beispiel ein Lied, das in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) sowie in Lautsprachebegleitenden Gebärden (LBG) „gesungen“ wird. Zu allen Szenen gibt es Untertitel. Einige helfen den Hörenden, andere den Gehörlosen.
An einer anderen Stelle wird ein Dialog wortwörtlich wiederholt, aber in unterschiedlichen Paarungen – ein Gespräch über den letzten Kampf: Das führt ein Boxer mit seinem Trainer, eine Großmutter mit ihrem Enkel, eine Mutter, die ihre Familie verlassen will, mit ihrer Tochter. Durch die Wiederholungen sollen nicht nur die Unterschiedlichkeiten deutlich werden. Suermann: „Der Zuschauer wird lernen, die Gebärdensprache zu verstehen“.
Und Suermann hat sich gefragt: „Was kann das Theater von Gebärdensprache lernen?“ Ihre Antworten: das körperbetonte der Emotionen, das räumliche Denken und: Wenn Gebärdensprachler miteinander sprechen, sind sie sehr aufmerksam und konzentriert. Es spielen: Laureen Laser, Moritz Temme, Johanna Schäfer, David Laudien, Ivan Zeneral, Salomé Groll und Eleonora Stark.
Die Premiere ist am Samstag (25.April) um 20 Uhr.
Weitere Spieltermine sind Sonntag (26. April) um 16 Uhr sowie Montag (27. April) um 11 Uhr (Schulvorstellung) und 18 Uhr im Bennohaus, Bennostraße 5.
Infos: 0251/16245269Karten gibt es an der Abendkasse.
168Gesten sind eine deutliche Sprache mit klarem Ausdruck, der einen festen Standpunkt erfoldert. Das Theater Cactus zeigt ein Theaterstück für hörende und nicht-hörende Zuschauer.
Foto: Ralf Emmerich