WN: 06.01.2021 Junges Theater Cactus in der Pandemie

Um zu zeigen, wie es den Jugendlichen in Ghana unter den Bedingungen von Corona geht – aber auch, um ihre Perspektiven zu zeigen. Denn Alice, Emmanuel, Shaiubu und Daimatu aus Ghana verfolgen alle ein berufliches Ziel, schlagen sich gerade in Schule und Uni mit Home-Learning in Ein-Zimmer-Behausungen für die ganze Familie herum, wie Emmanuel, Daimatu oder Studentin Alice.

Ausbildung als Grundlage für das Leben

Der junge Shaibu etwa will Modedesigner werden, absolviert eine Ausbildung zum Schneider. Das Theater Cactus hilft dabei durch Spenden-Crowdfunding dabei: Shaibu hat so schon einmal eine Nähmaschine bekommen, um seinem Ziel näherzukommen.

„Wir senden das Signal: Eine gute Schul- und Berufsausbildung ist die Grundlage im Leben – auch und gerade für Menschen mit starken künstlerischen Ambitionen“, sagt Barbara Kemmler. 13 000 Euro sind schon durch die Initiative von Cactus an die Jugendlichen vom Theater „Tete Adeheyemma“ geflossen.

Gifty Wiafe weiß das selbst sehr genau: Als sie 2010 als 15-Jährige, gerade aus Ghana eingewandert, an der damaligen Geistschule anfing, konnte sie vielleicht „drei Sätze Deutsch“, erzählt Gifty Wiafe, die gerade nach dem erfolgreichen Bachelor-Abschluss ein englischsprachiges Masterstudium in „Sustainable Development Management“ begonnen hat.

Nach der zehnten Klasse wechselte Gifty Wiafe an das Geschwister-Scholl-Gymnasium, machte Abitur, ein freiwilliges Jahr in ihrem Heimatland, begann ihr Studium. Antrieb, Kraftquelle und Impulsgeber war Gifty Wiafe immer das Theater Cactus: In ihrem ersten Stück „Third Class Titanic“ ging es um Flüchtlingsschicksale. Mit ihrem 80-Minuten Solo „Das liegt im ­Blut?!“­ stand Gifty Wiafe mit einer englischsprachigen Version in Ghana, aber auch bei Gastspielen in Irland, Namibia und Zypern auf der Bühne.

Zwang zur Improvisation

Im Juni ist sie damit zu den Ruhrfestspielen eingeladen. „Zweiter Versuch“, sagt Barbara Kemmler, denn das Festival 2020 fiel wegen Corona aus.

Die Pandemie zwingt das Theater Cactus, wie alle Künstler, zum Durchhalten, Improvisieren. Im Film „Corona – what’s up?“ kommen auch münsterische Cactus-Akteure zu Wort. Junge Migranten wie Valon, Ele oder Mustafa. Gemeinsamkeit mit den jungen Ghanaern: Auch sie alle arbeiten an Schulabschluss, im Studium und in der Berufsausbildung.