WN: 20.06.2019 Junges Theater Cactus zeigt „Der Garten“

Der Hintergrund, der Sarah Christine Giese und Mareike Fiege , auf das Thema brachte, ist ein trauriger. Ein Giese bekanntes Kind wurde mit 13 Opfer von Cyber-Mobbing – konkreter: Pornografische Bilder wurde ihr aufs Handy geschickt mit anzüglichen Drohungen. Wie sieht das heute für junge Mädchen aus, und welchen Einfluss hat so eine Erfahrung auf sie? Fragen, die Giese und Fiege beschäftigten. Und sie zu ihrem nunmehr dritten gemeinsamen Mädchenstück bewogen, das als thematischen Überbau das „Junge-Frau-Sein im digitalen Zeitalter“ hat.

„Wir haben erst mal vorsichtig gefragt, wie junge Frauen Sexualität heute erleben“, beschreibt Fiege. Das Ergebnis fiel anders aus als erwartet: „Sie fühlen sich den sozialen Medien nicht schutzlos ausgeliefert, haben zum Teil gute Mechanismen entwickelt. Nur einige hadern damit“, bilanziert Fiege.

Acht junge Frauen im Alter von 16 bis 23 Jahren haben die beiden Regisseurinnen für die von ihnen gemeinsam konzipierte Produktion gewonnen. Die ist erstmals mit einer Altersgrenze von 14 Jahren versehen. Denn das Stück thematisiert unter anderem den Missbrauch von Frauen und Mädchen und den gesellschaftlichen wie individuellen Umgang damit. „Der Garten“ ist aber kein Opferstück – und auch keines mit Männerhass auf der Bühne“, betonen beide Regisseurinnen.

„Das Ensemble war länger als sonst inhaltlich an dem Stück beteiligt“, schildert Sarah Christine Giese. Am Anfang stand der Erfahrungsaustausch im Schutzraum der Gruppe. Das Gesagte – oftmals von großer Authentizität geprägt, wie Fiege betont – wurde danach in Texte gekleidet. Gespräche mit Mitarbeiterinnen von Frauenhaus und Frauennotruf sowie Anleihen aus der feministischen Literatur vervollständigten die Textarbeit. Für die körperliche Darstellung bekam das Ensemble Unterstützung bei Yoshiko Wari (Bodytalk).

Was die Inszenierung betrifft, arbeiten Fiege und Giese mit einem Kunstgriff, der hier nicht verraten wird. Nur so viel: Es wird um Frauen in Häusern gehen, die eine Bestandsaufnahme vornehmen. Und um eine Frauengemeinschaft im Garten – für die ein Kunstrasen auf der Pumpenhaus-Bühne ausgerollt wird.

„Der Garten“, Premiere am 27. Juni um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Weitere Termine: 28., 29. und 30. (mit Gebärdendolmetscher) Juni sowie am 1., 2. (Schulvorstellung um 10 Uhr), 3. und 4. Juli, jeweils 20 Uhr.
Karten im WN-Ticket-Shop oder online. | localticketing.de