WN: 20.10.2019 Junges Theater Cactus zeigt „angerichtet“

Die schreckliche Nutella-Frage

Von Helmut Jasny

Münster – Das Junge Theater Cactus thematisiert in „angerichtet“ Klimawandel., Ausbeutung, Verschwendung – und sogar sich selbst.

Das Spiel beginnt als Verlautbarung, die dann doch keine wird. Keiner der acht Protagonisten, die sich demonstrativ an der Rampe aufgestellt haben, will das Wort ergreifen. Bis sich schließlich einer erbarmt. „Erwarten Sie nichts Neues“, erklärt er. Es sei alles schon gesagt, und eine Lösung hätten sie auch nicht. Das stimmt. „angerichtet“, die neue Cactus-Produktion, die am Freitag im Pumpenhaus Premiere hatte, will nicht mahnen und dem Publikum auch nicht ins Gewissen reden. Vielmehr handelt es sich um eine Art Bestandsaufnahme, dargeboten mit den Mittel des Theaters.

Cactus präsentiert: „angerichtet“

– eine inter/transkulturelle Tanztheater-Collage

Foto: Ralf Emmerich

Ein Ensemble bittet zu Tisch. Bitte sehr! Ran an die Buletten oder lieber an die Veggiekiste.
Völlerei versus Hunger – egal, Lebensmittel in die Tonne gekloppt, wird ja leicht gemacht.
Das Stück (in der Regie von Judith Suermann und Angelika Schlaghecken) greift die aktuellen Themen wie Nahrung, globale politische Zusammenhänge und Nachhaltigkeit auf und stellt Fragen, zwischen hilflos und ungemütlich. Im Kleinen wie im Großen.
Vom Menschen gemacht. Die ganze unübersichtliche Chose wird gehackt, gebärdet, geknetet, vertanzt und verkocht.

„Woher? Wer? Wohin?“

ist der Titel des neuesten 3-Jahresprojektes von Cactus Junges Theater in Kooperation mit dem AFAQ e.V., gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Dieses Integrationsprojekt für Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte und junge Zuwanderer (zw. 14-27 Jahren) hat den Schwerpunkt „Empowerment“. Cactus hat dafür ein Identitätsbildungs-Programm entwickelt mit theater-, medien-, tanz- und musikpädagogischen Angeboten und vielen weiteren Aktivitäten.

Frank Sam

Am 1. November geht es los mit einem Tagesworkshop (afrikanischer Tanz) von Frank Sam aus Ghana, der Workshop findet am Hoppengarten 22 statt (Probezentrum des Theaters im Pumpenhaus) und ist für alle TeilnehmerInnen offen und kostenfrei.
Uhrzeit: 11-13.00 Uhr Anfänger
14.-17.00 Uhr Fortgeschrittene
Bitte Sportkleidung mitbringen!

Projektabschluss: ‘aufMACHEN’

Wie der Titel schon sagt, geht es darum sich zu öffnen und etwas zu tun, selbst zu gestalten! In diesem Sinne hat Cactus Junges Theater in Kooperation mit dem AFAQ e.V. ein 6-monatiges Projekt für Jugendliche, mit und ohne Migrationsgeschichte / junge Geflüchtete (zwischen 14 und 27 Jahren) erfolgreich umgesetzt. Wo kann sich die Persönlichkeit weiterentwickeln, wo gibt es Impulse im Miteinander zu gestalten und Selbstwirksamkeit zu erleben? Und wie ist es möglich, dass junge Menschen aus verschiedenen Kulturen mit diversen Hintergründen sich spielerisch kennenlernen und gemeinsam Erfahrungen machen?

Cactus setzte auch in diesem Projekt, langjährig erprobt und erfahren in der interkulturellen Arbeit, auf kreative Angebote, die über junge Tanz-, Musik-, Medienpädagogen, unterstützt von einem Integrationsmittler, vermittelt wurden. Das Spektrum reichte vom sich Ausprobieren in einem mobilen Tonstudio, Raps und eigene Songs schreiben, entwickeln und aufzunehmen im festen Tonstudio, ein eigenes Musikvideo drehen, sich selbstbewusster und klarer artikulieren und ausdrücken zu lernen mittels Sprechtraining, eigene Choreografien in Tanzworkshops zu erarbeiten u.v.m. Zum Projektabschluss gab es eine kleine Werkschau, in der die Jugendlichen sich und ihre Präsentationen feiern konnten.

Dieses transkulturelle Empowerment-Projekt wurde gefördert durch das Paritätische Jugendwerk.