WN27.05.2017: Ein paar Fragen zur Ehre

Junges Theater Cactus zeigt im Kap.8 die Neuproduktion „Esperanza“

Von Gerhard H. Kock

MÜNSTER. „Ehre“ – das klingt in modernen Zeiten geradezu altertümlich, leicht muffig. Dabei ist das ein wirkmächtiges Phänomen, wer an Ehrenmord und unehrenhafte Entlassungen denkt. Aber es gibt auch die Ehrenurkunde oder Ehrenrunde. Das Junge Theater Cactus hat sich diesen ambivalent schillernden Begriff vorgenommen, daraus mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen Texte und ein Stück erarbeitet, das unter dem Titel „Esperanza“ nächste Woche Premiere hat.
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erlesenes­muenster.de: Ich bin Jutta, Deine Mutter

Von Burkard Knöpker

18. Mai 2017
Aus zwei großen, zusammen geschobenen, mit Leinwand bespannten Holzwinkeln kämpfen sich mühsam durch Pappkartons 8 Mädchen hervor. Alle tragen grau-silbrige Kleidungsstücke, Blousons, Kleider, Leggins, Schuhe. Das passt zur Stimmung. Alles ist irgendwie grau. Die Mädchen hadern mit ihrer Erinnerung, die nicht so recht funktioniert. Glaubt man den Müttern, allesamt in Rot-, Purpur- und Violett gehüllt, liegt das am Trinkwasser, das ausschließlich Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren die Erinnerung nimmt. Es ist schon recht skurril, wenn die Rollen vertauscht werden, wenn die Alten sich erinnern, während die Jungen dement werden.
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Esperanza: Premiere am 2. Juni 2017

– eine interkulturelle Collage über die Ehre, ihren WerEsperanzat und ihren Preis

Eine wilde Party und eine zarte Begegnung. Und da, wo die Liebe hinfällt, steht sie manchmal nicht mehr auf. Alles könnte so schön sein, aber es geht nur heimlich. Die Verliebten („missratener Junge“ und „bockiges Mädchen“) geraten unter Beschuss, denn die Familienehre ist bedroht, seine Freunde und ihre Familie fühlen sich provoziert und hintergangen. Eine moderne Liebesgeschichte mit Hindernissen, dem großen Wunsch nach Selbstbestimmung und dem Glück ohne Bedingungen. Das alles findet ja nicht im Nirgendwo statt, sondern in einer realen Welt recht unterschiedlicher kultureller, religiöser und gesellschaftlicher Communities. Wer hat wohl Recht oder hat jemand die Ehre für sich gepachtet? Nicht zu beantworten, stattdessen folgen Drohungen und Flucht. Wie war das nochmal bei Romeo und Julia und bei der deutschen Emilia mit dem italienischen Nachnamen? Deutliche Problemlösungen sind gefordert. Hört sich verdammt aktuell an, das mit dem falschen Stolz und dem echten Messer. Aber die Ehre ist uns doch was wert, es kommt nur auf den Preis an. Die Inszenierung in der Regie von Barbara Kemmler und Alban Renz arbeitet auf Nebenspuren einer authentischen Geschichte mit Einblendungen zu Ehrenmännern, Ehrbezeugungen, Zinédine Zidane und vielem mehr.
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