WN: 26.08.2015 Cactus zeigt „meat the girl(s)“ im Pumpenhaus

Fleischhygiene-Verordnung trifft auf Mädchen

Von Gerhard H. Kock
MÜNSTER – Fleisch scheint das Thema dieses Jahrzehnts zu sein. Lady Gaga trug ein Kleid aus rohem Rindfleisch. RTL betreibt Fleischbeschau im Nackedeiformat „Adam und Eva“. Und Veganer setzen der Massentierhaltung ein bisschen zu. In seinem zwölften Mädchenstück tischt auch Theater Cactus den Zuschauern mit „meat the girl(s)“ das Thema auf.

In der Regie von Judith Suermann und Sarah Christine Giese hat sich das achtköpfige Mädchen-Ensemble in einem einjährigen Prozess über Metaphern dem Phänomen genähert: ins eigene Fleisch schneiden oder blutrünstig. Am Ende soll ein Stück dabei herauskommen, das fast chronologisch von der Geburt über Pubertät und Verliebtsein bis ins Alter mit seinen Gebrechen einen Lebenskreis bildet.
Im Mittelpunkt der Bühne (Frederic Clausen) steht eine fünf Meter große Frau. Wie ein Puzzle lassen sich Elemente mit Titeln herausziehen – „Blut lassen“ aus dem Unterleib zum Beispiel. Angegangen werden Themen wird Prostitution, Voguing (modisches Posieren), Objekt werden (wider Willen), Fleischeslust, die erste Blutung, der erste Herzschmerz.
Was den beiden Regisseurinnen bei aller Körperarbeit rund ums Fleisch der Mädchen wichtig ist: „Wir machen die Mädchen nicht nackt“, so Suermann. Weder optisch noch seelisch. Es sei schön gewesen, die Entwicklung bei den 15- bis 19-jährigen Mädchen und Frauen zu sehen: „Wie locker und natürlich und schön sie mit ihrem Körper umgehen.“
Die Texte sind zum größten Teil selbst geschrieben, aber es gibt auch Zitate von Brecht oder Nietzsche zum Thema. Der Struwwelpeter erfährt eine Modernisierung; gerappt wird auch und eine Moritat gesungen. Parallel gibt es immer wieder Auszüge aus der Fleischhygiene-Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen zu hören. Wie deren Vorschriften im Kontext eines Theaterstückes über Menschen klingen, dürfte spannend sein.

Cactus-zeigt-meat-the-girl-s-im-Pumpenhaus-Fleischhygiene-Verordnung-trifft-auf-Maedchen_image_630_420f_wnIn Fleischoptik gewandet treten die Spielerinnen vom Theater Cactus vors Publikum.
Foto: Erich Saar

WN: 04.08.2015 Tempeltanz am Beckenboden

Cactus Junges Theater produziert „meat the girl(s)“

MÜNSTER – Das nächste Stück von Cactus Junges Theater heißt „meat the girl(s)“. Was klingt wie „Triff die Mädchen“, spielt vielmehr mit einem speziellen Aspekt sowie einer speziellen Betrachtungsweise der Mädchen. Judith Suermann und Sarah Giese haben ein Stück rund um das „Fleisch“, auch das eigene inszeniert.
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meat the girl(s)

meat the girlsEin Stück rund um das (eigene) Fleisch

Acht Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren präsentieren sich in ihrer ganzen fleischigen Pracht und setzen sich mit ihrem Körper, ihrem Warenwert, ihrem Konsumverhalten und ihrer Kapitulation vor Fleisches-und Fresslust auseinander. In Tänzen, Liedern, rauen und zärtlichen Bildern werden Geschichten und Kuriositäten erzählt, serviert mit schwingenden Hüften und geschütteltem Speck. Verfall, Fleischmarkt, göttliche Schönheit, Hingabe, Mädelshack, reichlich Rippchen und die Arschbacken nicht zusammen kneifen, ist die Devise. Ein Amazonenstamm vollführt den Tempeltanz am Beckenboden und huldigt dem idealen und fruchtbaren Körper. Mmmh, ist der lecker, der Fleischsalat aus sprechenden Körperteilen, alten Wunden, neuen Lieben und Taumel zwischen Freund(in) und Feind(in). Die Inszenierung von Judith Suermann und Sarah Giese vermag es auf erstaunliche Weise, junge Hühner in zuckersüße Elfen und fleischfressende, gierige Pflanzen zu verwandeln….. weiterlesen